Definition "Unzahl"
Ziel der Aktion
Vorschläge für die Unzahl des Jahres
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Eine Zahl ist eine Zahl, ist eine Zahl.... Können Zahlen lügen? Was bedeutet Unzahl im Sinne dieser Aktion?


Definition Unzahl:

Ein vorsätzlich oder versehentlich falsch oder irreführend verwendeter Begriff aus der Mathematik im weiteren Sinne, der in besonderem Maße Fehlvorstellungen in der Öffentlichkeit hervorrufen kann.

Die Sinngehalt des Wortes "Unzahl" im Sinne dieser Aktion weicht also ab von dem üblichen Sprachgebrauch (Unzahl = für den Betrachter zunächst unüberschaubare Anzahl).

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Zielsetzung:

Es soll eine kritischere Würdigung der in der Öffentlichkeit benutzten "Zahlen" gefördert werden. Zahlen haftet das Image einer hohen Objektivität an, so daß das Alles-oder-Nichts-Prinzip vermutet wird: Die Zahl stimmt oder ist falsch! Aber es gibt auch Graustufen, nämlich Zahlen, die zwar richtig sind, aber in einem irreführenden Zusammenhang genannt werden und damit eine Fehlvorstellung beim Adressaten hervorrufen.

    Beispiel 1

    Fliegen ist sicherer als Bahnfahren - sagt eine bekannte Statistik. Damit tröstet sich der von Flugangst geplagte Fluggast. Er denkt, dass sein zweistündige Flug weniger gefährlich als eine entsprechende Bahnfahrt sei. Aber was ist eine entsprechende Bahnfahrt? Genauso viele Stunden? Genauso viele Kilometer?

    Es kommt genau auf diese Bezugsgröße an, die häufig vernachlässigt wird: Wenn Fliegen pro Kilometer genauso gefährlich wie Bahnfahren wäre, dann müßte Fliegen pro Stunde rund neunmal so gefährlich sein, da das Flugzeug in derselben Zeit eine neunmal so lange Strecke zurücklegt.

    Anm.: Eine Stunde Flugzeug ist riskanter als eine Stunde in der Bahn - für jeden zurückgelegten Kilometer ist es genau umgekehrt. Außerdem ist es noch komplizierter: Die meisten Unfälle ereignen sich bei Start und Landung. Folglich ist eine Stunde, die nur aus Starts und Anflügen besteht, insbesondere solchen bei schlechter Sicht im Gebirge, gefährlicher als eine Stunde Reiseflug. Zehn Inlandsflüge in der winterlichen Schweiz mit insgesamt acht Flugstunden sind also nicht zu vergleichen mit einem achtstündigen Flug vom sommerlichen Rom nach New-York.

    Beispiel 2

    Natürlich rein hypothetisch!
    Im Rahmen der Euro-Preisumstellung erhöht ein Händler einen Preis von € 1,53 (= früher DM 2,99) auf € 1,99, also um € 0,46.
    • Das Produkt ist daher nun 30 % teurer (bezogen auf € 1,53),
    • aber kostete früher 23 % weniger (bezogen auf € 1,99).

    Es kommt, wie so oft, auf die Bezugsgröße an. Diese wird meist übersehen.

    Beispiel 3

    Ein Unternehmen verdoppelt seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr. Mögliche (richtige) zahlenmäßige Aussagen sind:
    • Gewinn beträgt dieses Jahr 200% des Vorjahresniveaus.
      ("... auf 200% gestiegen ...")
    • Gewinn ist dieses Jahr um 100% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
      ("... um 100% gestiegen ...")
    • Vorjahresgewinn war 50% im Vergleich zu diesem Jahr.
      ("... war früher 50% ...")

    Beim Adressat bleibt im Zweifelsfall nur die Zahl haften - und diese beträgt, je nach Ziel des Formulierenden, 50%, 100% oder 200%. Genügend Spielraum für Manipulation und Zahlenspiele.

    Beispiel 4

    "Es ist genauso wahrscheinlich im Lotto zu gewinnen, wie vom Blitz getroffen zu werden", tröstet eine weitere populäre Statistik den Bergwanderer, der in ein Gewitter geraten ist. Also, alles nicht so schlimm?

    Die Fakten:

    • Die Wahrscheinlichkeit für einen 6-er im Lotto beträgt rund 1:13 Mio.
    • In Deutschland sterben pro Jahr im Schnitt 7 von 82 Mio Einwohnern am Blitztod (VDE). Einen von 11 Mio. Bürgern trifft also tatsächlich der Blitz - jedes Jahr.
    • Ein Lotto-Gewinn ist also tatsächlich auf den aller ersten Blick ähnlich wahrscheinlich.

    Allerdings sollte der Wanderer folgendes bedenken:

    Wer 52 Wochen in diesem Jahr jeweils 10 Reihen Lotto spielt, erhöht seine Chancen auf einen 6-er im Lotto in diesem Jahr um den Faktor 520, d.h. auf 1:25.000. Für den Nicht-Lottospieler, der keinen einzigen Schein abgibt, verschlechtern sich dagegen die Chancen auf Null.

    Dasgleiche gilt für die Wahrscheinlichkeit des Blitztods: Die Chance auf einen Blitztod "erhält" nur derjenige, der sich der Gefahr eines Gewitters aussetzt. Wer täglich die Strecke "Bett-Auto-Tiefgarage-Büro-Tiefgarage-Auto-Bett" zurücklegt, kann praktisch keinem Blitz begegnen. Ähnlich verhält es sich mit Personen, die Gewittern mit Angst begegnen und bei Gewittergefahr einen sicheren Platz nicht verlassen werden. Aber es gibt auch die Sorglosen und im Freien Beschäftigten, gleich ob als Handwerker, Radfahrer oder Wanderer, die sich nicht ohne Weiteres vor der Gefahr in Schutz bringen können. Diese Personen sind tatsächlich bei Gewitter vom Blitz bedroht und machen nur einen kleinen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 82 Mio. aus.

    Die bekannte Lotto-Gewitter-Statistik geht also von der Gesamtbevölkerung aus, obwohl die Opfer nur aus der Gruppe von Personen stammen können, die sich ungeschützt im Gefahrenbereich eines Gewitters aufhalten. Daher sollte dem unter der Gewitterwolke stehenden Wanderer aus diesem Beispiel bewußt sein, daß er in diesem Moment leider nicht mehr zur großen Gesamtbevölkerung, sondern zur einer ungleich kleineren Gruppe der "Gefährdeten", gehört.

    Eine brauchbare statistische Zahl wäre beispielsweise die Antwort auf folgende Frage des Wanderers: "Alle wieviele Stunden werde ich - rein statistisch natürlich - vom Blitz getroffen, wenn ich ungeschützt im Gewitter stehe?"

    Anm.: Es kommt tatsächlich auf die Zeit an, die man im Freien verbringt. Zumindest dies kann man an Statistiken erkennen: So hat sich in Deutschland die Zahl der Blitzopfer ständig verringert. Wurden im vergangenen Jahrhundert noch durchschnittlich 300 Menschen pro Jahr von Blitzen getötet, so zählte der Verband Deutscher Elektrotechniker von 1952 bis 1962 lediglich 37,5 Blitztote pro Jahr und von 1982 bis 1992 nur noch 7,7, da immer weniger Menschen im Freien arbeiten. Wer dennoch vom Gewitter überrascht wird, hat meist ein Auto in der Nähe, daß wie ein "Faradayscher Käfig" Schutz gegen Blitze bietet. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden verzeichnete im "Blitzjahr" 1999 zehn Blitztote und im Jahr davor sogar nur vier.

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Ihr Vorschlag

Ihre Vorschläge für die Unzahl des Jahres können aus allen Bereichen der öffentlichen Kommunikation stammen, aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kulturinstitutionen oder Medien, und sollten eine Quellenangabe enthalten.
Vorschläge werden während des ganzen Jahres entgegengenommen und hier sofort und ungefiltert veröffentlicht. Die Unzahl des Jahres wird Anfang des folgenden Jahres auf dieser Seite bekanntgemacht.

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Begriffe wie Gotteskrieger, Kollateralschaden, Spendenaffäre, Green Card und Deutsche Leitkultur sind spätestens seit der jährlichen Bekanntgabe des "Unwort des Jahres" einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Unwörter, die übrigens in verschiedenen Aktionen gewählt werden, sind dadurch gekennzeichnet, daß sie sprachliche Missgriffe sind, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Es handelt sich dabei um Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Eine Verbreitung der Unworte wird auch durch den unkritischen Gebrauch dieser Wörter oder Formulierungen in den Medien gefördert.

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